Die Geschichte der Kupferhütte nördlich des Klosters

 

Aus den "Ilfelder Blättern" für jetzige und ehemalige Angehörige der Ilfelder Klosterschule Nr. 21/22 – Weihnachten 1932, geschrieben von Oberbergrat Schnell – Clausthal:

Nach Einstellung dieser Kupferhütte (bei der jetzigen Papierfabrik) blieb die Hüttenstätte wüst liegen, bis im Jahre 1618 der braunschweigische Rat und Vizekanzler von Uder hier eine Eisenhütte gründete.

Die an das Kloster zu entrichtende Abgabe betrug „4 Schock 12 Groschen", wenn das Werk nicht in Betrieb war. War die Hütte in Betrieb, dann waren „12 Gulden" zu „Michaelis" zu zahlen. Bald entstanden auch hier zwischen Kloster und Hütte Streitigkeiten, vor allem wegen der Zufahrtsstrasse zur Hütte. Die Hüttenfuhrleute wollten den bequemen Weg durch den Klosterhof nehmen, wurden jedoch vom Kloster auf den an den Hängen des Mühlbergs sich hinziehenden Weg verwiesen. Denn „durch den Flecken hinter der Mauer hin ist der gemeine und rechte Weg nach der Hütte hin, dessen künftig die Hüttenknechte und andere, wie vor diesem, gebrauchen mögen". Es handelt sich hier um den für schwere Erzfuhren zweifellos recht beschwerlichen Weg am Mühlberg, welcher jetzt durch Gedenktafeln zur Erinnerung an Goethes Harzreise gekennzeichnet ist. Vermutlich ist diese Hütte im Dreißigjährigen Kriege eingegangen.

Alsbald nach dem Westfälischen Frieden regte sich wieder die Unternehmungslust. 1648 ließ Otto von Mauderode, der Administrator des Stifts, „auf der alten Eisenhütte überm Ilfeld" eine Sägemühle errichten, um die Einkünfte "des Klosters und Schulwesens bei den schlecht einkommenden Intraden zu vermehren". Der Graf von Stolberg widersprach. Er behauptete, ein Anrecht an der Hüttenstätte zu haben, bestritt dem Kloster das Recht zur Anlage der Sägemühle und gab an, hier selbst eine Eisenhütte anlegen zu wollen. Schließlich gab er doch nach. Von Seiten Stolbergs wurde unterhalb des Fleckens die Johannishütte errichtet, wogegen das Kloster Einspruch erhob.

Im Jahre 1670 machte der bekannte Eisenhüttenmann Arends, Besitzer der Eisenhütte in Mägdesprung und Sorge, dem Kloster den Vorschlag, an Stelle der Sägemühle eine Eisenhütte (Zerrenherd, Pochwerk und Eisenhammer) zu errichten. Er setzte dem Kloster auseinander, dass eine Eisenhütte weit mehr als eine Sägehütte einbringen würde. Die Erze (sog. „Leseeisensteine") wollte Arends von der Hainleite beziehen, das Kohlholz aus dem Klosterforst Birkenmoor, dessen Holz überständig war und faulte. Wiederum erhob Stolberg Einspruch. Otto von Mauderode setzte sich jedoch entschieden für den Plan ein, und am 9. August 1670 wurde ein sehr eingehender Vertrag mit Arends geschlossen. An Erbzins hatte er jährlich 36 Reichstaler an das Kloster zu zahlen. Der Hauptvorteil für das Kloster lag wohl in der Möglichkeit, das sonst kaum zu verwertende Holz aus dem Stiftsforst Birkenmoor zu Gelde zu machen. Bei Erdarbeiten an der Hüttenstätte fand man Kupferschlacke, die nur aus der Verhüttung von „Mansfelder Kupfer" herrühren konnte. Man konnte sich die Schlacken nicht erklären: „kein Mensch weiß, wem die Kupfer- oder Seigerhütte zugestanden". Wir wissen, dass sie von der „Drachstedtschen Kupferhütte" stammten.

Über das Schicksal dieser Arend'schen Hütte habe ich nichts ermitteln können: es war wohl von vornherein ein aussichtsloses Unternehmen. Die Anfuhr des Kohleholzes aus dem Birkenmoorer Forst war zweifellos mit Schwierigkeiten verknüpft. Es wird in den Akten gelegentlich über die hohen Fuhrkosten infolge der steilen und „klippichten" Wege geklagt. Viel Freude scheint das Stift früher an seinem Birkenmoorer Forst nicht gehabt zu haben.
So blieb denn an der alten Hüttenstätte oberhalb des Klosters allein die Sägemühle in Betrieb, für deren Erhaltung neben der Eisenhütte Otto von Mauderode gesorgt hatte.

1743 war die Sägemühle fast vollständig verfallen. Die Klosterschüler trieben in ihr Mutwillen. Sie wurde in diesem Jahr abgebrochen, und es wurde von dem damaligen Pächter der Sägemühle Johann Philipp Kaufmann eine Öl- und Graupenmühle dem Gänseschnabel gegenüber auf Klostergrund errichtet. Diese Mühle war die erste industrielle Anlage an Stelle der späteren Talbrauerei. An Stelle der abgebrochenen Sägemühle wollte man diese Ölmühle nicht errichten, da sich ständig Streitigkeiten mit dem Besitzer, der einige Zeit zuvor in dieser Gegend errichteten Papiermühle, wegen der Wassernutzung ergeben hatten.

Schlacken-Minerale



 

 

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