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Die Geschichte des Südh. Bergbaus im Mittelalter
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Die Montangeschichte des Südharzes ist ein wichtiger Faktor der Entwicklung unserer Region als stabiler wirtschaftlicher Standort. Der Bergbau und das Hüttenwesen hat über viele Jahrhunderte das Gesicht und die Entwicklung des Südharzes, seiner Menschen und Kultur geprägt. Betrachtet man den Bergbau im gesamten Harzgebiet mit seiner über tausendjährigen Tradition und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland und ganz Europa gerade im Mittelalter, garantiert durch reiche Funde an Silber, Buntmetallen und Eisen, so ist die überregionale wirtschaftliche Bedeutung des Südharzer Bergbaues eher als unbedeutend einzuschätzen. Der Bergbau beschränkte sich auf die regionale Versorgung mit Rohstoffen. Das liegt daran, dass einfach keine Lagerstätten mit großen Erzkörpern vorhanden waren. Dafür aber viele kleinere, durch Rissbildung bei der Heraushebung des Harzes als Pultscholle und weiteren tektonischen Bewegung der Erdkruste in geologischen Zeiträumen entstandene hydrothermale Gangvererzungen. Diese treten oft sporadisch und in der Längserstreckung und Teufe nicht lange aushaltend auf. Also beschränkte sich der Bergbau im Mittelalter anfangs auf Lesefunde, später auf Schürfe an der Tagesoberfläche und auf Tagebaue bis 10 m Tiefe. Solange man genügend „Vorrat“ an tagesnahen Erzgängen hatte, sah man keine Veranlassung, Bergbau in Form von Stollen und Schächten zu beginnen. Als die Vorkommen an der Erdoberfläche erschöpften, ging man zum wesentlich aufwendigeren Tiefbau über. Es gibt im Südharz unzählige dieser historischen Abbaue, die heute noch sehr gut als Pingenzüge oder Pingensysteme, verwahrte Stollenmundlöcher, Röschen und Suchschürfe, sowie verwahrte Schächte ganze Landschaftsteile prägen können. Der Bergbau im Harz und damit auch im Südharz hatte in seiner Entwicklung einen so landschaftsverändernden Einfluss, dass man heute nicht von der „Naturlandschaft Harz“ sonder von der „Kulturlandschaft Harz“ spricht.
Als Beispiele seien folgende Veränderungen genannt:
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Bau von Bergdörfern und Bergstädten, die unmittelbar mit dem Beginn des Bergbaues entstanden. Damit verbunden war der Bau eines Wege- und Straßennetzes und das Anlegen landwirtschaftlicher Nutzflächen, um den Eigenbedarf an Nahrungsmitteln zu sichern.
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Abholzung des natürlich gewachsenen Waldbestandes bis zum flächendeckenden Kahlschlag aufgrund von besiedlungsbedingten Platzbedarf, Verwendung von erheblichen Mengen Holz für Vorhaltungs- und Abstützungsarbeiten und Brandsetzungen im Erzbergbau sowie der Verwendung als Brennholz für den Hausbrand. Man hat berechnet, dass eine durchschnittlich große Bergarbeiterfamilie einen Brennholzbedarf pro Jahr hatte, der dem Rauminhalt (Festmeter) eines halben Fußballfeldes, einen Meter hoch, entspricht. Da ein hoher Holzbedarf bestand, begann man mit dem Aufforsten großer Fichten-Monokulturen, welche eine Veränderung der Biotopentwicklung einleiteten.
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Bau des Oberharzer Wasserregals mit bedeutenden Einfluß auf damals bestehende Ökosysteme. Auch im Südharz wurden in kleinerem Umfang Wasserbauwerke wie Hüttenteiche, Wassergräben, Staustufen in Bächen und Teichsysteme als Wasserreservoir für Energieerzeuger und Verhüttungsprozesse errichtet.
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Oberirdische Bergwerksanlagen, welche der Erdoberfläche beträchtliche Wunden zufügten, heute aber sehr schöne Biotope bilden, die für natur- und bergbauhistorisch verbundene Menschen einen hohen Schauwert besitzen.
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Heute sind wir nicht mehr in der Lage, die durch unsere Vorfahren so erheblich veränderte Natur des Harzes auch nur annähernd wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Die sich uns heute darstellende Kulturlandschaft Harz mit seinen rückgeführten Bergbaulandschaften gilt es zu erhalten und zu schützen, um uns heute und den nachfolgenden Generationen visuelle Kontakte zum historischen Bergbau zu ermöglichen.
Folgender Bergbau wurde im Mittelalter betrieben:
Eisenerz: Es gibt keine sicheren Erkenntnisse darüber, ab wann Bergbau auf Eisenerz betrieben wurde. Anzunehmen ist, dass schon in der Eisenzeit einfacher oberirdischer Bergbau betrieben wurde, da am Harzrand ansässige Bevölkerungsgruppen das offensichtlich zu Tage tretende Erz mit Sicherheit gesehen haben. Im Mittelalter wurde schon an vielen Stellen Erzabbau betrieben und mit einfachen Verfahren (Rennfeuerofen) verhüttet. Man hatte schon viel Erfahrung in der Schmiedekunst, war aber auf die Lieferung von Erz aus bestimmten Abbauen angewiesen, um auch verschiedene Gebrauchseigenschaften der hergestellten Waren zu erreichen. So wusste man z. B. sehr genau, welche Eisenerzgruben das beste Schmiedeeisen für Hieb- und Stichwaffen lieferten. Ursache war ein geringer Mangangehalt im Erz mancher Gruben, was damals natürlich keiner wissen konnte. Gerade in Kriegszeiten waren solche Erfahrungen wichtig, und es kam vor, dass solche Gruben und Verhüttungsplätze vor Raub geschützt werden mussten.
Manganerz: Es ist nicht überliefert, wann der Manganerzbergbau bei Ilfeld seinen Anfang nahm. Es ist aber durchaus möglich, dass seine Anfänge im ausgehenden Mittelalter liegen können, denn eine Urkunde aus dem 16. Jahrhundert bezeugt, dass an den Hängen der Harzeburg ein den Antimonio (Antimonit) ähnliches Erz gebrochen wurde, also der Manganerzbergbau im 15. Jahrhundert seine Anfänge genommen haben könnte. Es ist anzunehmen, dass die Deutschen nahtlos die Manganerzschürfe der „Venezianer“ am Möncheberg und der Harzeburg weiterführten, als sie hinter die Geheimnisse der Verwendung von Manganerz bei der Glasentfärbung (deshalb die Bezeichnung „Glasmacherseife“ für Manganerz) und Herstellung von farbigen Gläsern und Glasuren kamen. Die „Venezianer“ waren kenntnisreiche Mineraliensammler, welche ungefähr im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts begannen, in Europa nach Manganerz zu suchen. Im Harz wurden die „Venezianer“ auch als „Mönche“ bezeichnet, da sie auch wie die wandernden Mönche die damals üblichen „wetterfesten“ Umhänge mit spitzer Kopfbedeckung trugen. Das könnte ein Hinweis auf die Bezeichnung Möncheberg sein, welcher in der Manganerzlagerstätte bei Ilfeld liegt. Dieser Berg hatte reiche Manganerzlinsen direkt an der Erdoberfläche und könnte den „Venezianern“ als unkomplizierter und lange unentdeckter Manganerzschurf gedient haben. Ausgerechnet auf dem Möncheberg stand auch die erste Unterkunft (Holzhütte) der deutschen Manganerzschürfer, die sicher, wie o. g., zuerst Schürfe der Venezianer übernahmen. Ob das Manganerz auch in unseren mittelalterlichen Glashütten Verwendung fand, ist noch nicht nachgewiesen, aber durchaus denkbar. Bisher wird in bergbauhistorischen Aufzeichnungen nur von Exporten in der Neuzeit nach Russland und Holland berichtet. Wichtig ist sicher noch der Hinweis, dass Manganerz nicht verhüttet wird, sondern als reingeschiedenes Erz verwendet wird.
Kupfererz: Da ja bekanntlich in der Bronzezeit Kupfer benötigt wurde und, bevor man die Kunst beherrschte, Bronze herzustellen, gediegenes Kupfer zu Schmuck und Gebrauchsgegenständen verarbeitete, ist anzunehmen, dass auch im Südharz Fundstellen erschlossen wurden, so z. B. am Kupferberg im Ilfelder Tal. Leider gibt es von der Bronzezeit bis zum Mittelalter keine Aufzeichnungen über diesbezügliche bergbauliche Aktivitäten. Der Bergbau im Mittelalter wurde meist überbaut und ist deshalb nicht mehr sichtbar. Dagegen ist der Kupferschieferbergbau im Mittelalter dokumentarisch belegt. Zwischen Buchholz und Stempeda ist seit 1450 Kupferschieferbergbau betrieben worden und Kupferhütten sind 1550 in Ilfeld lt. damaliger Bergordnung nachgewiesen. Der Bergbau auf Kupferschiefer hinterlässt in der Südharzregion deutlich sichtbare Spuren. Kleine ringförmige Halden, welche sich um die Schächte gebildet haben, sehen aus wie große Maulwurfshügel und sind in manchen Gebieten zahlreich zu finden.
Gips: Gips oder Calciumsulfat ist ein wichtiges Gestein unserer geologisch berühmten Karstlandschaft und schon seit langer Zeit Gegenstand intensiven Bergbaues. Wann dessen Beginn war, ist nicht bekannt. Erst die Verwendung von Gipsmörtel beim Bau mittelalterlicher Anlagen, wie Burgen, Kirchen Stadtmauern u. ä. beweist bergbauliche Aktivitäten im Mittelalter. Eine Modifikation des Gipses, der Alabaster, wurde schon im Mittelalter berühmt als Marmorersatz. Als „Hohnsteiner Marmor“ wurde er später ein Markenzeichen für die Region. Man konnte ihn schnitzen, drechseln, bohren und schleifen, schneeweiß lassen oder einfärben (marmorieren). So entstanden schon im Mittelalter Schmuckdöschen mit Deckel, Büsten, Epitaphien, Taufbecken usw.. Alabastergips wurde in Steinbrüchen, aber auch Untertage bei Harzungen abgebaut. Kristalliner Gips, das sogenannte Marienglas (ein spätiger, durchsichtiger fensterglasähnlicher Gips), war schon im Mittelalter sehr gefragt. Abgebaut wurde es in Marienglasgruben im „Alten Stolberg“ und als Fensterglasersatz, Abdeckung von Marienbildern und als Buchschmuck verwendet. Es wurde im Mittelalter als Glintzespat oder Fraueneis bezeichnet.
Anhydrit: Anhydrit oder „wasserfreies Sulfatgestein“ ist das dominante Mineral der Südharzer Karstlandschaft, welches im Zechsteinmehr vor etwa 240 Mill. Jahren enstand. Er ist wesentlich härter und widerstandsfähiger als Gips, wandelt sich aber durch Wasseraufnahme in geologischen Zeiträumen in Gips um. Es gibt folglich stufenlos Übergangsformen zwischen beiden Gesteinen. Härtere, noch dem Anhydrit nahestehende Gesteinsformationen sowie reiner Anhydrit wurden im Mittelalter als Steine im Bauwesen verwendet. Da sich Anhydrit relativ leicht bearbeiten lässt, wie sägen, modellieren usw., wurden Steine verschiedener Größe zum Hausbau hergestellt, welche mit Gipsmörtel vermauert wurden. Außerdem wurden Tür- und Fensterrahmen (s. Burgruine Hohnstein), Tür- und Fensterstürze, Treppenstufen, Gehwegplatten, kirchliche Standbilder (Grab- und Gedenksteine), Futtertröge u. ä. hergestellt.
Dolomit: Nicht unerwähnt möchte ich den Bergbau auf Dolomitgestein lassen. Zumindest beim Bau der Stadtmauern, z. B. von Nordhausen, wurden obertägig in Steinbrüchen erhebliche Mengen dieses Materials gebrochen und zu Quadern gehauen. Bekannte Steinbrüche dieser Art gibt es in Niedersachswerfen.
Porphyrit: Betrachtet man im Südharz alte Gebäude, Burgen, Kirchen, Steinfundamente und Haussockel, so wird man meistens ein rötlich-braunes Gestein, landläufig als Porphyrit bezeichnet, erkennen. Unzählige Steinbrüche förderten dieses Baumaterial im Südharz. Z. B. wurde die Burg Hohnstein bei Neustadt mit Bausteinen eines eigenen Steinbruchs im Burggelände erbaut. Gleichzeitig wurde dabei das Burggelände nach klaren Vorstellungen modelliert.
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