"Lange Wand"

Bergbauhistorischer Lehrpfad

In der Nähe des Braunsteinhauses, am Kleinen Möncheberg, führt dieser Lehrpfad durch ein historisches Manganerz-Bergbaugebiet, in dem die Möglichkeit besteht, neben den Relikten der bergmännischen Tätigkeit auch das historische Umfeld, den Waldbestand sowie die Tier- und Pflanzenwelt der rückgeführten Bergbaufächen fast 100 Jahre nach Einstellung des Bergbaus zu besichtigen. An den einzelnen Stationen des Lehrpfades sind die besonders sehenswerten Punkte gekennzeichnet und beschrieben.




 

Die Manganerzlagerstätten zwischen Ilfeld und Sülzhayn haben Porphyrit zum Nebengestein. Der Porphyrit gehört zur rotliegenden Schichtenfolge des Ilfelder Beckens. Neben vulkanischen Gesteinen (Porphyrit und Melaphyr) sind dort auch sedimentäre Gesteine, wie Konglomerate und Sandsteine, vorhanden. Im Porphyrit konnten sich bei der tektonischen Beanspruchung Gangspalten herausbilden, die bald danach mit Manganerzen und teilweise auch mit Eisenerzen gefüllt wurden. Diese Vorgänge spielten sich vor etwa 270 - 260 Millionen Jahren ab.



Von Westen, also von Sülzhayn kommend, nähert man sich über die Mangan- und Eisenerzgängen des Holzapfelkopfes, des Krippen- und Brandenberges sowie des Liesen- und Heiligenberges dem Schwerpunkt des alten Ilfelder Erzbergbaus. Er liegt am Kleinen Möncheberg und an der Harzeburg.




 

Die Erzgänge ordnen sich hier zu vier Zügen an. Der markanteste Gangzug ist der Obere Harzeburger Zug, der auf einer Länge von etwa 1,6 km bekannt ist und annähernd von Westen nach Osten streicht. Im Bereich des Wilhelmsstollens am Kleinen Möncheberg und der Finsteren Grube am Osthang des Schnackenberges führt dieser Zug Eisenerz (Roteisenstein), sonst treten Manganerze auf. Die Abbauarbeiten erfolgten hier von Stollen aus und auch im Tagebau.



Der bergmännischen Tätigkeit gingen, wie allgemein üblich, Phasen des Steinesuchens und Schürfens voraus. Sie reichen mehrere Jahrhunderte zurück, möglicherweise war schon das Eisenerz Gegenstand des Bergbaus. Im 16. Jahrhundert zeichnen sich erste konkrete Hinweise auf den Bergbau ab. Aus dem Jahre 1535 liegen Lehnsbriefe über die Bergwerksfelder "Gottes Gnade" und "Heilige Dreifaltigkeit", die beide "an der Harzeburg in der Silberbach" gelegen haben, vor, aus deren Existenz geschlußfolgert werden kann, daß Bergbau betrieben wurde. Obgleich zwischenzeitlich mehrere Reviere bebaut waren und wurden, blieb der Bereich Harzeburg/Möncheberg das Hauptabbaugebiet. Nach dem Jahre 1753 entwickelte sich das Tal des heutigen Sachswerfer Baches zum Zentrum, in dem Lagerung der Erze, ihre Aufbereitung und Bergbauverwaltung stattfand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten hier die Bergleute ganzjährig Steine zu schneiden, d.h. das Erz vom tauben Gestein zu trennen. Im Jahr 1821 ist ein größerer Schuppenraum zum Steineschneiden und Bevorraten von nicht aufbereitetem und aufbereitetem Manganerz (Braunstein) gebaut worden. Heute steht an dieser Stelle das sogenannte Braunsteinhaus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sank der Absatz des Erzes soweit, daß mit der letzten Schicht am 18.11.1890 der Bergbau vorerst eingestellt wurde.




 

Auf Grund des enormen Bedarfs an Eisen-, Eisenmangan- und Manganerzen während des Ersten Weltkrieges wurde im März 1916 der Bergbau wieder aufgenommen. Zunächst klaubten die Arbeitskräfte alte Halden am Kleinen Möncheberg durch. Da die Ergebnisse nicht immer den Erwartungen entsprachen, kamen sehr bald Gewinnungsarbeiten in vorhandenen Tagebauen hinzu. In der Folgezeit wurden auch Erkundungs- und Förderstollen aufgefahren. Alle diese Arbeiten überprägten den älteren Bergbau in erheblichem Maße. Der letzte Versuch, den Bergbau fortzuführen, wurde im ersten Halbjahr 1922 in einem Stollen an der Harzeburg unternommen. Seit dieser Zeit ruht der Bergbau wahrscheinlich für alle Zeiten. Die heutige Tagessituation , die sich dem Besucher des Lehrpfades darbietet, ist folglich im wesentlichen das Ergebnis dieser letzten Bergbauperiode.



In diesem historischen Bergbaugebiet haben sich aus den Zeiten der bergmännischen Tätigkeiten z.T. steile Felswände und geringfügig überdeckte untertägige Hohlräume erhalten, von denen auch heute noch, insbesondere für fachlich nicht versierte Wanderer, gewisse Gefahren ausgehen. Der Pfadverlauf wurde so gewählt, daß beim Betreten keine Gefährdungen auftreten können. Im Interesse der eigenen Sicherheit versteht es sich von selbst, den vorgegebenen Weg nicht zu verlassen.